Kirschen pflücken und Projektmanagement haben auf den ersten Blick natürlich nix gemein. Doch beim Pflücken hat man sehr viel Zeit, kommt etwas ins Grübeln und dabei erschließen sich einem gar revolutionäre Analogien. Aber lest selbst…
Verkorkster Projektstart
Läuft mir die Nachbarin, eine nette alte Dame, am Freitag Abend über den Weg. Sie meint, dass ihr Kirschbaum schon ganz schön unter der Last der Früchte ächzt, sie aber selbst zu alt sei, die Kirschen abzuernten. Ich denk mir nix weiter dabei – nur, dass es sicher eine nette Beschäftigung an der frischen Luft für mich und meine kleine Tochter wäre. Es wird sich an dem langen Wochenende sicher eine freie Lücke finden um das zu erledigen. Ich sage schließlich zu, mich darum zu kümmern.
Das Wochenende ist eigentlich schon seit einiger Zeit vollkommen verplant. Aber daran denkt in dem Augenblick des Gesprächs jedenfalls keiner.
Planung und Analyse
Ich höre mich noch fragen, ob genügend Körbe und eine große Leiter vor Ort sind. „Natürlich“, meint sie und ich geh meiner Wege. Kurz und knackig, so mag ich das. Bloß nicht zuviel drüber nachgrübeln und sich in stundenlangen Diskussionen ergehen (nix für ungut, aber die Gespräche mit der netten alten Dame ufern nur allzu leicht aus). Es geht doch nur ums Kirschen pflücken! Und schließlich ist auch Freitag Abend. Da hat man andere Dinge im Kopf als die vor einem liegende Arbeit.
Für die Durchführung wurde der Sonntag Vormittag reserviert. 3 Stunden sollten doch eigentlich genügen.
Entwurf
Da das Wochenende nun bis über beide Ohren mit Aufgaben vollgepackt war, blieb natürlich nicht viel Zeit um über die vor uns liegende Aufgabe zu reflektieren. Warum auch? Die Kirschen pflücken sich doch fast von alleine und so eine Arbeit hat man ja bereits als Knirps X-mal gemacht. Man kennt doch schließlich alle Anforderungen, Herausforderungen und Risiken. Also wozu sich den Kopf mit solchen Gedanken schwer machen?
Umsetzung und (Überraschung!) neue Anforderungen
Sonntag Vormittag – es ist soweit, also direkt an die Arbeit. Mit dem Töchterchen und 2 leeren Schüsseln (Frau und Schwiegermutter machten kurzfristig Eigenbedarf geltend) im Handgepäck ging es zum Garten der Nachbarin.
Beim Aufstellen der Stehleiter machte sich direkt Ernüchterung breit. Das Werkzeug war zwar brauchbar aber hatte so seine Ecken und Kanten. Mit anderen Worten: die Leiter war so alt wie der Baum, wankte und wackelte wie ein Lämmerschwanz. Anstatt nun mit beiden Händen die Früchte abzuernten, viel eine Hand aus um mir die nötige Stabilität zu verschaffen. Das wiederum verlangsamte die Arbeit nicht unwesentlich. Dem Krümelchen machte die Arbeit irre viel Spaß. Natürlich war sie nicht zu 100% für das Projekt einzusetzen. Es war viel Aufwand für die Einarbeitung nötig und nicht jede Kirsche fand ihren Weg in den Korb. Wir stellten dann auch sehr schnell fest, dass unsere Ausrüstung unvollständig war. Der Kleinen fiel ein, dass sie ebenfalls auf eine Leiter klettern wollte und so mußte kurzfristig noch eine weitere Stehleiter herbeigeschafft werden. Und die Körbe benötigten Haken, um sie an den Leitern befestigen zu können.
Projekt Abschluß und Review
Nach nunmehr 5 Stunden war die Arbeit getan. Etwas über der veranschlagten Zeit aber ganz zufrieden mit unserem Tagwerk waren wir dennoch. Nur der Kunde war aufgrund der Verspätung etwas ungehalten (weil das Mittagessen warten mußte).
Ein Review fand natürlich nicht statt!
Und die Moral der Geschichte ist…
Es ist sicher nur eine Frage der Zeit, bis Projektmanagement Seminare auf Kirschplantagen stattfinden.
4 Kommentare
Benno sagt:
5. Juni 2011 von 16:39 (UTC 1)
Hallo Ronny,
eine super Geschichte mit sicherlich erschreckend vielen Parallelen zu “richtigen” Abläufen. Hätte dich gern mal auf einer wackelnden Leiter Kirschen pflücken sehen
So macht das Blog lesen Spaß…
ronny sagt:
5. Juni 2011 von 18:21 (UTC 1)
Erschreckend find ich eher, dass mich diese Gedanken sogar am Wochenende beschäftigen.
Das Zusehen läßt sich übrigens arrangieren. Bei der nächsten Aktion, kann ich Dich gerne mit einplanen.
Johannes sagt:
15. Juni 2011 von 00:27 (UTC 1)
Der Facebook Gefaellt mir Button wuerde sich gut im Blog machen, oder finde ich ihn nur nicht?
ronny sagt:
22. Juni 2011 von 18:25 (UTC 1)
Bist nun schon der zweite, der danach fragt. Muss ich mir wohl wirklich einmal ansehen. Tzz tzz tzz… neue Medien!